Controlling 21

Dr. J. Schuhmacher

vg

Abgrenzung der Internet-Ergonomie

Ergonomische Stühle und Sitze sind am bekanntesten. Aber die Ergonomie befasst sich noch mit vielen weiteren Themen. Die klassische Ergonomie befasst sich mit Arbeitsgegenständen wie Hardware: PC, Tischen, Monitoren, Licht, Stühlen, Software: Betriebssystem, Browser, ... (Software-Ergonomie). Diese beiden Felder sind bei der hier benutzten Definition der Internet-Ergonomie nicht gemeint, auch wenn es immer wieder Schnittstellen gibt.

Pyramide mit vier Schichten

Die Arbeitswissenschaft als Mutterwissenschaft beruht auf den Disziplinen und Fachbereichen Physiologie, Psychologie, Soziologie. Die reine Ökonomie und Physik wird teilweise nicht direkt als dazugehörige Fachdisziplin angesehen. Ohne Kenntnisse in diesen beiden Wissenschaften lässt sich vieles jedoch nicht verstehen und erklären. Es existiert eine Übergangszone zwischen der Software-Ergonomie und der Internet-Ergonomie (der Grüne Bereich. Die Usability, wie sie im us-amerikanischen Raum gepflegt wird, ist übergreifend und scheint sehr praxisorientiert zu sein, während die Ergonomie im deutschen Sinne eher deutlich theorieorientiert ist.

Software-Ergonomie unterscheidet sich oft von der hier untersuchten Internet-Ergonomie. So existieren viele unterschiedliche Internet-Auftritte, und jeder davon wird relativ selten von einem durchschnittlichen Nutzer benutzt. Dies darf auch nicht verwundern. Es handelt sich beim Internet um einen universalen Ansatz: Die ganze Welt soll darstellbar sein. Auch deshalb fällt derzeit eine Normierung so schwer. Bei Software im klassischen Sinne existieren im Vergleich zum Internet relativ wenige Programme, die zudem relativ häufig benutzt werden. Deshalb ist die Verschachtelungstiefe aufgrund der Übung auch für weniger begabte Menschen erlernbar. Dies wird dadurch erleichtert, dass sich das Aussehen und die Anordnung der Befehle auch über Versionen (Jahre) hinweg i.d.R. nicht oder kaum ändern. Bei einem Schreibprogramm ist der Anspruch ein dem Internet konträrer: Es will nur einen Teilausschnitt des Denkbaren darbieten. Dies erleichtert die Hierarchisierung und Gruppierung der tatsächlich verwendeten Befehle.

Pointiert ausgedrückt befasst sich die Software-Ergonomie mit dem Software-Programm (z.B. Word) und seiner Gestaltung, die Internet-Ergonomie jedoch mit dem durch die Software erstellten Inhalt, den in Word geschriebenen Text! Die Software-Ergonomie befasst sich somit mit dem Browser, die Internet-Ergonomie mit dem im Browser dargestellten Seiteninhalt.

Ein weiteres grundlegendes Problem der Internet-Ergonomie liegt in der nicht klar bestimmbaren Aufgabe. Die klassische Arbeitswissenschaft geht explizit oder implizit von einer definierten Aufgabenstellung aus. Auch bei der Software-Ergonomie kann noch von einer allerdings zunehmend komplexen Aufgabenstellung der Software ausgegangen werden. Mit einem Textbe- und Verarbeitungsprogramm will der Nutzer i.d.R. Texte be- und verarbeiten. Im Internet wird dies fragwürdig. Da die Zielgruppe nicht immer einschränkbar ist (bedingte Ausnahme: Intranet und Extranet), sind zumindest mehrere Aufgabenstellungen denkbar: Von der Informationssuche, über die Kommunikation, die Interaktion und teilweise die Transaktion reichen die Möglichkeiten. Wobei die Punkte selbst weiter noch unterteilt sein können. Es ist sogar denkbar, dass gewisse Zielgruppen nicht an einer Information im engeren Sinn interessiert sind, sondern sich nur ein Bild (im Sinne von Imagebildung) des Auftrittes machen wollen und nur partiell interessiert einen "Eindruck" gewinnen möchten.

Im Internet stellt sich ungleich der herkömmlichen Software die Frage nach den Zielen der Nutzer. Während ein Benutzer einer Schreibsoftware einen Text be- oder verarbeiten möchte, sind die Ziele im Internet nicht so klar: Es bieten sich zumindest

Das Internet, insbesondere das WWW, nimmt eine Zwischenstellung ein zwischen der Software und dem durch Software erzeugten Endprodukt - eine Zwischenstellung zwischen reinen Dokumenten und ausführbarer Software. Überspitzt kann man das WWW als eine interaktive Broschüre / Dokument sehen.

Im Internet kann man u.a. von einem Bewegen in Informationswelten sprechen. Dies führt zu Informationssystemen und dem WWW als Informationstechnologie. Hierbei traten neue Fragen auf, wie nach der Strukturierung und Darstellung der Informationen sowie der Navigation in der Informationsmenge.

Selbst im Vergleich zu üblichen Hypertext-Systemen weist das WWW einen nur sehr eingeschränkten Funktionsumfang auf. (Dies wird u.a. bei den clientseitig beschränkten systemimmanenten Navigationsmöglichkeiten oder den kaum automatisch zu erstellenden alphabetischen Indizes ersichtlich.)

Sowohl in der Software-Ergonomie als auch der Internet-Ergonomie orientiert man sich an der benutzerzentrierten Entwicklung.

In der Software-Ergonomie strebt man u.a. die Vereinheitlichung der Interaktionselemente in grafischen Oberflächen an: Eine der vorrangigen Zielsetzungen bei der Gestaltung von Benutzungsoberflächen ist die konsistente Verwendung von Interaktionsobjekten auf einer möglichst breiten Basis von Systemen und Anwendungen. (Bullinger, Ergonomie, S.369). Exakt dies ist im Internet mit seinem universalen Anspruch und der konzeptionell gewollten Freiheit der Gestaltung unrealistisch.

Warum soll man ergonomische Internet-Auftritte gestalten?

Der Internet-Auftritt einer Firma ist die wertvollste Immobile. Dieses weniger als ein viertel Quadratmeter kleine Stück Fläche stellt das Bild Ihrer Firma zur Welt dar. Immer mehr Interessenten werden zuerst Ihren Internet-Auftritt ansehen, und dann entscheiden, ob sie geschäftliche Beziehungen zu Ihnen aufnehmen.

Die 1999 getroffene Feststellung für die Software-Ergonomie trifft heute auch uneingeschränkt für die Internet-Ergonomie zu: Hohe ergonomische Qualität ... stellt im internationalen Wettbewerb mittlerweile eine unabdingbare Voraussetzung für den Markterfolg dar und wird von den Benutzern als selbstverständlich erwartet. (Software-Ergonomie´99, S, 7)

Es existieren neben altruistischen Gründen somit auch "egoistische", einen ergonomischen Internet-Auftritt zu gestalten:

Die Vorteile der Ergonomie in der Kundenbeziehung lassen sich auf drei Ebenen nutzen:

Karat (1989) wies bei einer Usability-Untersuchung ein Kosten-Nutzen-Verhältnis von 1:2 nach. Diesbezügliche Nachuntersuchungen der damit reduzierten Folgekosten ergaben sogar ein Verhältnis von bis zu 1:10. Nielsen und Landauer errechneten 1993 sogar Verhältnisse von bis zu 1:45. Im Übrigen entfallen ca. 80% der Kosten für die Software-Entwicklung auf die Post-Einführungs-Phase. (Pressman, 1992, zitiert nach Eichinger, Armin, Usability, http:// pcptpp030.psychologie.uni-regensburg.de/ student2001/Skripten/ Zimmer/u-inspection.html). Richtig ist jedoch auch, dass die Investitionen für Usability nochmals deutlich sinken, wenn Ergonomie-Experten möglichst früh in den Entwicklungsprozess eingebunden werden.

Die durchschnittlich erreichbare Verbesserung der Usability durch einen Test und anschließenden konsequenten Umbau beträgt laut Nielsen. (http://www.useit.com/ alertbox/20030107.html 135%. Die Daten basieren auf 42 untersuchten Fällen. Teilweise sind sogar noch deutlich höhere Verbesserungen erzielbar.)
Betreiber großer und erfolgreicher Websites im E-Commerce haben bereits erkannt, dass auch der kleinste Vorteil im Bereich Usability sich direkt in einem höheren Umsatz und einem größeren Gewinn niederschlägt. Große etablierte Firmen und Institutionen haben den Wert jedoch oft noch nicht erkannt.

Während doppelt so große Verkäufe leicht in Geld messbar sind, bleiben die Faktoren Kundenzufriedenheit, höhere Seitenabrufe etc. schwer ökonomisch umrechenbar, da deren Bedeutung sich von Firma zu Firma unterscheiden.

Beim PC gilt, dass dauerhafte falsche Benutzung zu Krankheitsschäden führt (RSI - repetitive strain insury). Bei der Langzeitarbeit an unergonomischen Internet-Auftritten ist mit einer hohen informatorisch-mentalen Belastung mit erhöhten Stresssymptomen auszugehen. Auch wenn deren gesundheitlichen Folgen bisher nicht detailliert geklärt sind, sollte hier jeder Anwender aus purem Eigeninteresse auf Ergonomie achten.

Vor allem muss den Entwicklern und Betreibern bewusst werden, dass Internet-Auftritte keine künstlerischen Fernsehfilme oder designte Möbel im Sinne von Fernsehern sind, sondern technisch hoch entwickelte Arbeitsumgebungen bzw. Arbeitsgeräte.

Der Einwand "Andere Konkurrenten können mich nachahmen" ist zutreffend, aber nicht entscheidend.
In der Tat. Wenn Sie einen Experten eine Ergonomieuntersuchung und anschließend alle Optimierungen durchführen lassen, erhalten Sie eine durchschnittliche Verbesserung von 135%. Teilweise sind sogar noch deutlich höhere Verbesserungen erzielbar. Durch Kopieren dieser Vorteile wird sich der Abstand zur Konkurrenz in den kommenden Monaten auf etwa 68% verringern. Aber 68% Vorsprung ist wiederum sehr viel und wird Ihren Umsatz und Gewinn spürbar über den Werten der Konkurrenz platzieren. Dies erlaubt Ihnen einen kleinen Teil des zusätzlich erzielten Gewinns als weitere Investitionen in die Optimierung einzusetzen, um immer an der Spitze zu bleiben.

Resümee:

Wer zuerst mit seinen Ergonomie-Optimierungen anfängt, geht in Führung und wird sie behalten.

Ferner besitzen Sie die Sicherheit, wirklich zu wissen, was funktioniert und was nicht. Wer nur kopiert, lebt immer in der Unsicherheit, ob er nicht doch das für seine Firma Falsche kopiert hat. Ohne die exakten Daten über die eigenen Kunden und deren Bedürfnisse zu besitzen, kann man mit Kopien der Konkurrenz in der Tat auch kaum etwas anfangen. Langfristige Strategien lassen sich ohne eigene Informationen nicht planen. Beim Geschäftserfolg kommt es heute auf das Wissen an, nicht auf das vermuten. Im Übrigen können Sie sich bestimmte Details auf dem eigenen Internet-Auftritt auch patentrechtlich schützen lassen.

Kann man auf ein paar Prozent der Nutzer verzichten?

Während andere Medien wie das Fernsehen Millionen an Werbeetats ausgeben, um auch nur ein Prozent mehr Zuseher zu erhalten, schrecken viele Betreiber von Web-Auftritten 5-10 und manchmal über 20% der potentiellen Nutzer ab. Allein in der BRD entspricht ein Prozent derzeit etwa 400.000 Internet-Nutzern. Weltweit betrachtet - im Sinne von Englisch oder Deutsch verstehenden Internet-Nutzern - entspricht ein Prozent bereits mehreren Millionen potentiellen Kunden. Der Unterschied zwischen einer Zielerreichung von 90% und 100% der potentiellen Kunden - sprich Umsatz - kann bei einem E-Commerce- Auftritt bereits den Unterschied zwischen Erreichen der Gewinnzone oder Verharren in der Verlustzone ausmachen!

Jeder Entwickler sollte sich bewusst sein, dass jeder Browser eine "Zurück"-Taste besitzt. Untersuchungen belegen, dass Internet-Surfer diese bei Missfallen sehr schnell betätigen und nie wieder zu diesem Auftritt zurückkehren.

Das virtuelle Internet funktioniert nicht in allem wie die reale Welt:

Es ist nur logisch, dass Interessenten sich diejenigen Internet-Auftritte aussuchen, die ihren Anforderungen entgegen kommen. Die Internet-Surfer schenken Ihnen und Ihrem Auftritt ihre Zeit - das wertvollste Gut, das ein Mensch Ihnen heute bieten kann. Gehen Sie sinnvoll mit diesem Gut um, sonst entzieht er es Ihnen wieder.

Definitionen

Es existieren zahlreiche Definitionen. Ferner umschreiben Synonyme wie "Nutzerfreundlichkeit", "Lesefreundlichkeit" die Bedeutung oder Teile davon. Hier wird eine neue Definition für die Ergonomie gewagt: Ihr Internet-Auftritt ist ergonomisch, wenn sich Ihre Zielgruppe bei der Erreichung ihrer Ziele dort wohl fühlt.

Hier soll keine denkbares weiteres graduelles Teilmengen-Schema verfolgt werden wie z.B.:

Der Begriff "ergonomisch" beinhaltet hier im Folgenden alle (auch technischen) Elemente, die sich auf den Nutzer auswirken.

Ein Internet-Auftritt gilt ferner als ergonomisch, wenn er alle in allen Normen festgehaltenen Kriterien erfüllt.
In den USA existieren weitere Definitionen für Internet-Ergonomie.

Eine Definition von Ergonomie versucht den Ansatz über den Nutzen / Wert. (Sullivan, Terry, The Usable Web, 1996, ATW - All Things Web, (Leider nicht mehr verfügbar: http://www. pantos.org /atw/ usable.html). Eine Beschäftigung mit dieser Theorie ist notwendig, da die Veröffentlichung in den USA ausgezeichnet wurde.) Dies liegt u.a. aufgrund der Verwendung des Begriffes Usability und dem englischen Wort useful nahe. Bei Sullivan wird der Begriff sogar noch weiter eingeengt: ein nutzbarer Auftritt bildet quasi eine Untermenge der Anforderungen an einen wertvollen Auftritt. Allerdings liegt hierbei ein Irrtum vor. Der Nutzen des Inhaltes (der in dieser Theorie betont wird) führt nicht automatisch zum Begriff nützlich im Sinne von wahr und deshalb verwertbar und hat nichts mit ergonomischer Gestaltung zu tun. So kann man sich ein Verzeichnis aller Apotheken in Deutschland auf einer Internet-Seite vorstellen. Exakt dieselbe ergonomische Darstellung lässt sich jedoch auch für ein Verzeichnis aller Apotheken auf dem Mars verwenden.

Ohne Zweifel ist der Inhalt wichtig für den Erfolg eines Internet-Auftrittes. Aber guter Inhalt (und auch der Umfang des Inhaltes) per se ist kein Kriterium für Ergonomie. Nur die mediengerechte Gestaltung / Aufbereitung / Darstellung des Inhaltes beeinflusst die Ergonomie. Wenn man den Nutzen in die Definition der Ergonomie einbringen möchte, dann wäre m.E. eine Definition über "leicht benutzbar" eher sinnvoll. In diesem Sinne ist Usability eher mit "Benutzbarkeit" zu übersetzen.

Hier finden Sie einen weiteren englischen Definitionsversuch zur Usability.

Der englische Ausdruck Web Usability umfasst: information science, software engineering, and usability engineering.

Usable / ergonomisch umfasst zumindest: (Sullivan, Terry, The Usable Web, 1996)

Das ferner anzutreffende Attribut "langlebig" hat jedoch nichts mit Ergonomie zu tun.

Messbarkeit

Oft wird versucht Ergonomie mathematisch präzise über die Zeit zu messen, die jemand für die erfolgreiche Bewältigung einer Aufgabe benötigt. Diese Vergleiche sind jedoch zielgruppen- und zielspezifisch, kultur- und themenabhängig und auch sonst nicht einfach miteinander vergleichbar. Vor allem die Anforderungen der Menschen an Ergonomie im Internet steigen ständig. Was vor 10 Jahren noch als sehr ergonomisch galt, entspricht heute bei weitem nicht mehr dem Standard.

Ergonomie ist auch kein absoluter Zustand im Sinne von 0 oder 1 - vorhanden oder nicht vorhanden. Es handelt sich um ein Kontinuum, das sowohl mit den technischen Möglichkeiten als auch den Anforderungen der Menschen sowie dem Forschungsstand im Feld Ergonomie wächst.

Messen lässt sich hingegen bei einem ergonomisch optimierten aber ansonsten gleich ausgerichteten Internet-Auftritt der Unterschied zum nicht optimierten vorherigen Zustand. Hierbei ergeben sich oft dramatische Zuwächse. So berichten us-amerikanische Quellen von über 100% Effizienzsteigerung durch konsequent durchgeführte ergonomische Optimierungen.

Statistische Größen

Die unterschiedlichen Ziele der Nutzer im Internet lassen sich auch mit den verschieden intrapersonellen Rollen vergleichen: So nimmt eine Person über die Zeit hinweg z.B. die Rolle eines Interessenten, Käufers oder sogar Verkäufers ein.

Man muss sich somit von der Vorstellung lösen, dass alle Zielgruppen identisch sind, oder eine Zielgruppe homogene Ziele besäße und dass diese über die Zeit konstant wären. Für einen erfolgreichen Internet-Auftritt müssen alle diese Faktoren genau untersucht werden.

Allerdings darf man auch nicht auf die Ebene des Einzelindividuums heruntergehen. Viele Menschen würden viele unvorhersagbare subjektive Kriterien als Maßstab anlegen. Und selbst ein einziger Nutzer kann seine Ansprüche und Maßstäbe mit der Zeit verändern. Das Individuum führt somit bei der Definition nicht zum Ziel.

Hieraus folgt der Mengenansatz: Wie kann man den größten Teil der (erwarteten / anvisierten) Nutzer zufrieden stellen? Diese Menge wird als Gruppe gesehen, zusammengefasst und abstrahiert. Dahinter steckt die im Grunde statistische Fragestellung: Was erwarten die meisten Nutzer von dem untersuchten bzw. geplanten Internet-Auftritt - nicht jedoch von den meisten oder allen denkbaren Internet-Auftritten.

Hiervon können bei bekannter Zielgruppe wieder - ebenfalls statistische - Untergruppen mit deren abstrahierten Mehrheitsforderungen gebildet werden (z.B. Sehbehinderte, Blinde, Körperbehinderte).

Obwohl es i.d.R. unmöglich ist, über die Motive aller Individuen etwas herauszufinden, lassen sich über Gruppen oft erstaunliche Erkenntnisse gewinnen: (Sullivan, Terry, The Usable Web, 1996, http://www.pantos.org /atw/35679.html)

Im Übrigen rangiert Entertainment meist erst auf Rang 7.

Darstellung von Information

Information muss man sich jedoch primär sehr abstrakt vorstellen. Laut Duden ist dies in der Informatik: a) Gehalt einer Nachricht, die aus Zeichen eines Kodes zusammengesetzt ist. b) als räumliche oder zeitliche Folge physikalischer Signale, die mit bestimmter Wahrscheinlichkeit oder Häufigkeit auftreten, sich zusammensetzende Mitteilung, die beim Empfänger ein bestimmtes [Denk]verhalten bewirkt". (Fremdwörterduden, S.437)

Ein wichtiges Ziel der Ergonomie ist es folglich, die priorisierte Forderung nach Information in einer derartigen Darstellung den Nutzern darzubieten, dass sie für die anvisierten Zielgruppen leichter verfügbar, erreichbar, lesbar, auffindbar, aufnehmbar etc. ist. Deutlich wird dies an einem Beispiel mit größeren Textdatenmengen: 1.000 Fakten über alle Bundeskanzler der BRD kann man auf vielfältige Weise darstellen:

Man erkennt unschwer, dass jedes dieser kleinen Details, wie z.B. Navigation, logische Strukturierung, Lesefreundlichkeit etc. etwas zur Ergonomie beisteuert.

Minimalismus als Modell

Minimalismus als Modell für das Informationsdesign war ursprünglich für Handbücher der Software-Schulungen gedacht und stammte in den frühen 1980er Jahren von Dr. John M. Carroll, einem Erkenntnispsychologen bei IBM. Von besonderem Interesse war diesbezüglich die Frage, wie erlernt jemand den Gebrauch einer Software.

Dies lässt sich auch auf das Internet übertragen: Die Benutzerschnittstelle wird als ein Element des Informationsdesigns gesehen. (Hackos, in: Software-Ergonomie ´99, S.19). Sie besteht aus Text, Grafik und Layout in einer meist zweidimensionalen Ebene. Dieser Minimalismus führt zu benutzer-zielorientiertem Design.

1990 veröffentlichte Carroll den Artikel, The Nurnberg Funnel, in dem er folgendes festhielt: (Carroll, J.M., 1990, The Nurnberg Funnel: Designing Minimalist Instruction for Practical Computer Skill, Cambridge, MA, MIT)

1996 stellten Carroll und Hans van der Meij vier Prinzipen des Minimalismus auf: (Carroll, J.M. und Norman, D.A., 1996, The Nurnberg Funnel: Designing for error, in User Centered System Design: New Perspectives on Human-Computer Interaction, ed. D.A. Norman and S.W. Draper, S.411-432, Hillsdale, NJ, Erlbaum, zitiert nach: Hackos, in: Software-Ergonomie ´99, S.20)

Einfache Gestaltung

Teilweise wird hieraus und in Anlehnung an Albert Einstein die Forderung nach einer einfachen Gestaltung abgeleitet. Things should be made as simple as possible -- but no simpler.

Einfachheit besitzt auf den ersten Blick allgemeine Vorteile: (Sullivan, Terry, The Usable Web, 1996)

Allerdings trügt dieser Schein. Es kann durchaus ergonomisch sein, dass man für eine "einfache" Bedienung durch den Nutzer einen extremen Programmier- und damit Pflegeaufwand in Kauf nehmen muss. Dennoch sollten einige damit verbundene Thesen nicht ohne solide Prüfung an der anvisierten eigenen Zielgruppe leichtfertig abgetan werden:

Allerdings gehört es zu den schwierigeren Unterfangen, herauszufinden, was jeweils für die anvisierte Zielgruppe, deren Ziele und das behandelte Thema als "einfach" zu gelten hat.

Patentrezepte

Es ist angesichts vielfältiger Interdependenzen von Zielen und Bedingungen nicht sinnvoll, >>rezeptartige<< Handlungsanleitungen für die Planung von Gestaltungsvorhaben zu geben. (Bokranz, S.278). Dies wendet sich berechtigter Weise gegen die zahlreichen "Kochbücher" der Ergonomie aus den USA. Als Beispiel sei die immer wieder zu lesende und hörende Aussage angeführt, dass man alle Internet-Auftritte mit einer Farbtiefe von maximal ca. 200 Farben und einer Bildschirmauflösung von 800*600 Pixel gestalten soll.

Neben technischen machen auch soziokulturelle Unterschiede die ungeprüfte Anwendung von Patentrezepten aus den USA unmöglich.

Bereits aufgrund der zahlreichen zu beachtenden Grundregeln in der Ergonomie und der oft weiten Zielgruppen ist i.d.R. nur eine Optimierung im Punkto Ergonomie und nicht das Ideal für jedes Individuum erreichbar.

Grundsätzlich ist immer am Einzelfall zu entscheiden, wie die konkrete Umsetzung einer abstrakten ergonomischen Forderung zu erfolgen hat.

Methode / Arbeitsweise

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Planung

Ein wesentlicher Aspekt bei der Planung von ergonomischen Optimierungsvorhaben ist die Anpassung des Internet-Auftrittes an die technischen Rahmenbedingungen und persönlichen Anforderungen der potentiellen Zielgruppe.

Hilfe

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Optimierung der Planung in Internet-Auftritten

Operative Ergonomiegestaltung

Ein aus ergonomischer Sicht geeigneter Internet-Auftritt bietet noch keine Garantie für eine optimale Nutzung durch viele Interessenten. Die Benutzer müssen oft auf den richtigen Gebrauch hingewiesen und von den Vorteilen überzeugt werden.

Dies ist keineswegs ein Widerspruch in sich. Man denke nur an einen ergonomischen Stuhl, den man mit allen seinen komplexen Einstellungsmöglichkeiten dem Kunden auch erst erklären muss. Es kommt sogar vor, dass manche Menschen aus Gewohnheit zuerst lieber in einer unergonomischen Haltung verweilen wollen, als sich umzustellen.

Hieraus ergibt sich im Internet die Notwendigkeit von Hinweisseiten über das Warum und Wieso.

Anzeigen und Stellteile

Auch wenn das Internet und vor allem das WWW relativ neuen Ursprungs sind, so gibt es zahlreiche Erkenntnisse, die seit Jahrzehnten erforscht sind und die sich sehr wohl anwenden lassen. U.a. gilt dies für die Anzeigen und Stellteile.

Anzeigen sind technische Einrichtungen, die dem Menschen veränderliche Informationen übermitteln. (Bokranz, S.370). Sie unterscheiden sich hierin von Kennzeichen, die gleich bleibende Informationen darstellen. Bildschirme sind hybride Anzeigen. Sie stellen etwas analog und digital (diskret) dar. Hier steht das Visuelle im Fokus, akustische Signale haben oft Warncharakter. (Bokranz, S.371). Bildschirmanzeigen eignen sich besonders für die Darstellung komplexer Sachverhalte.

Man muss bei optischen Signalen bedenken, dass die Kapazität der Sinnesorgane (vor allem die Augen) nicht überlastet werden darf. (Bokranz, S.371). Bei der Gestaltung und Anordnung von Anzeigen ist so zu verfahren, dass die Anzeigeeinrichtungen möglichst gut an die menschliche Wahrnehmung angepasst sind. Dabei soll die Beanspruchung der Sinnesorgane unterhalb von Dauerleistungsgrenzen liegen; dies bedeutet, dass mit entsprechender Gestaltung der Anzeigen der Ermüdung der Sinnesorgane vorgebeugt werden muss. Daneben sollen Ablesefehler möglichst ausgeschlossen werden. Durch Anzeigen darf es nicht zu einer betont einseitigen Beanspruchung des Menschen bei der Arbeit kommen, Anzeigen müssen eine weitere Steigerung der Arbeitsqualität zulassen. (Bokranz, S.372f.) Im Grunde umschreibt dies eine Grundanforderung an die Internet-Ergonomie.

Einige der Kriterien der Auswahl von Anzeigen lassen sich auch für den Monitor und die Gestaltung von Internet-Auftritten verwenden: (Bullinger, Ergonomie, S.350)

Selbst Details wie die Skaleneinteilung sind bereits seit vielen Jahren klar definiert, die sich z.B. nahtlos für Diagramme anwenden lassen: (Bokranz, S.375)

"Es sollten

Selbst die Details zur Schrift (Schriftgröße, Schriftbreite, Strichdicke und Schriftabstand) sind in DIN 1451 bereits geregelt. Man könnte sich somit (zumindest bei grafisch gesetzter Schrift) an die ergonomischen Regeln halten, wenn man wollte.

Ferner weiß man seit langem, dass es ergonomischer ist, Gruppen zusammen gehörender Anzeigen mit einer Überschrift darüber oder mit einer gleichfarbigen Fläche zu versehen. Einzelanzeigen sollten jedoch mit einer Unterschrift darunter versehen werden. Zusammengehörende Anzeigen kann man auch durch die gleiche Größe, Form und Farbe kennzeichnen. Besonders wichtige kann man hingegen durch besondere Größe, Form und Farbe hervorheben.

Auch aus der seit Jahrzehnten bekannten Anordnung von Stellteilen / Bedienteilen kann man einiges für das Internet lernen. (Bokranz, S.396, Luczak, S.476ff.). Im Grunde kann man Stellteile, die oft Schalter und Tasten sind, durchaus mit den Auslöse-Buttons oder sogar den Links im Internet vergleichen. Wenn man bei Computern im Unterschied hierzu von komplexen Informationseingabesystemen spricht, meint man meist Tastaturen oder Mäuse sowie die Spracheingabe. (Bullinger, S.339). Ist eine Anordnung vieler Stellteile (Schalter) vor allem in Kombination mit Anzeigen erforderlich, so sind konkurrierende Prinzipien zu beachten:

Je größer die Anzahl der Schalter, desto höher ist i.d.R. der Zielkonflikt. In jedem Fall sollten häufige Ortswechsel von Körper, Hand, Fuß oder Auge bei der Stellteilbedienung vermieden werden. (Bokranz, S.396). Ferner sollte die dargebotene Information auf das unbedingt erforderliche Maß reduziert werden. (Luczak, S.478.) Hingegen sind sehr wichtige Informationen wie Warnhinweise redundant anzubieten (z.B. optisch und akustisch). Bei akustischen Signalen können zur Unterscheidung die Lautstärke, die Tonhöhe und die Frequenz als Informationsträger genutzt werden.

Bei einer hohen Packungsdichte von Stellteilen / Schaltern etc. sind Gestaltungsmaßnahmen erforderlich:

Zwar sind im Internet überwiegend nur visuelle Sinnesdimensionen ansprechbar. Dennoch lässt sich dies als theoretisches Planungskonzept bei der Gestaltung einer Navigation uneingeschränkt einsetzen. Man muss somit für die Internet-Ergonomie nicht alles neu erfinden. Oft lassen sich alte Erkenntnisse der Arbeitswissenschaften - zumindest in Abwandlung - einsetzen. Erwähnt seien hier die DIN 32830 Gestaltungsregeln für grafische Symbole, die DIN 43602 Betätigungssinn und Anordnung von Bedienteilen und DIN 30602 Empfehlungen für die Bildzeichenanwendung.

Die Erwartungshaltung des Nutzers sollte immer erfüllt werden. Dies gilt insbesondere bei der Signal-Reaktions-Kompatibilität: Der Nutzer betätigt einen Schalter und erwartet darauf ein Signal in der von ihm vorausberechneten Richtung. Am leichtesten lässt sich dies an der Maus erklären: Eine Bewegung der Maus auf der Unterlage nach rechts muss auch den Mauszeiger auf dem Monitor nach rechts bewegen. Dies gilt jedoch auch bei Internet-Links: Der Klick auf einen Link soll eine neue Seite öffnen.

Informations­technische Gestaltung

Bei der informationstechnischen Gestaltung - der Darstellung von Informationen auf dem Bildschirm - sind drei aus der Wahrnehmungspsychologie abgeleitete Regeln wichtig:

Strukturierungen sind wichtig. Sie können:

Die Gestaltung derartiger Informationsdarstellungen geschieht i.d.R. in drei Schritten: (Bullinger, Ergonomie, S.376)

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